Sucht Nr.1: Abgreifen

Unter "Abgreifen" verstehen wir ein Phänomen, das selbstverständlich nicht ausschließlich in der Werbergattung vorkommt. Dennoch stellen wir mit Entsetzen einen überdurchschnittlich ausgeprägten Drang in der Branche dazu fest.

Bei den meisten fängt es ganz harmlos mit dem Bunkern von Belegexemplaren an. Der Werber möchte nicht nur von seinen selbst geschaffenen Druckerzeugnissen ein Stück haben, nein, sondern alles jemals produzierte und bitte in mehrfacher Ausfertigung. Das Gefühl Ware umsonst zu erhalten, lässt sein Herz höher hüpfen. Kapitalistische, möglicherweise clevere Hintergedanken à la "ich verkauf' das Lagerfeldposter für nen spektakulären Ebaypreis" sind nur selten vorzufinden.
Daraus schließen wir, dass es dem Werber um den reinen Besitz geht. Nicht mehr und nicht weniger.

Noch auffälliger wird das Verhalten, wenn Werbemittel Bolle & Bollinger jun. ihr Werbemittellager einmal im Jahr feucht durchwischen und den Produktionern der Stadt je eine Schubkarre voller unglückseligmachender Produkte überlassen: Nickibommelmützen in Mintgrün, unförmige Baseballcaps von renommierten Spitzenvereinen, antistatische, mit Antirutschnoppen versehene, ockerfarbene Haussocken. Das alles möchte der Werber besitzen. Wahres Werberglück ist eine fußballfeldgroßer Wühltisch.

Schauplatzwechsel, Uhrzeitwechsel: Die Druckerei Printpaule lädt zur Jubliäumsparty die wichtigsten Agenturen der Stadt in ein kühles, loungiges Etwas mit Dauerbeamerwandprojektion und begattungsfördernder Housemusik ein. Ein VW Beetle und Mazda MX 5-Korso bildet sich auf der Straße, denn es steht fest: Heute gibts Food and Drinks auf Kosten der Druckerei Printpaule. Wochen zuvor machte schon in Branchenkreisen der Satz "Wir trinken dem Paule den Bentley weg" die Runde. Und genauso verhält sich auch die loungetaumelnde Werbemasse. Bier und Wasser dienen nur zum zwanglosen Zwischengurgeln nach Knoblauchgarnelenspieß und vor Champagnerbaumkuchenparfait. Der Werber bestellt sich danach einen sinnlosen Vorrat der teuersten und alkoholhaltigsten Cocktails und vergisst nebenbei, dass er eigentlich von Cocktails fürchterliches Sodbrennen bekommt: "Zwei extra double long Longislandicetea ohne Eis und noch mal drei zum Mitnehmen, bitte."

Was lernen wir daraus:
1. Nutzt den Abgreifautomatismus der Werber und bringt in Zukunft eure hässlichen Ostergeschenke, defekte Bügeleisen oder eure abgesessenen Couchgarnituren einfach in der Agentur eurer Nähe vorbei. Ihr denkt vor der Haustür kommt der Dreck in den nächsten Tagen ohnehin weg? Von wegen. Eine Ansammlung von Werbern hat beschleunigende Wirkung auf den Eliminierungsprozess unnötiger Gegenstände!
2. Werber haben keinerlei Wert- und Ästhetikempfinden!
3. Werber niemals in die eigene Wohnung/Loft/Villa einladen. Es besteht die Gefahr, dass hinterher Handtücher und Shampooflaschen fehlen!
ramses101 - 20. Apr, 14:25

Und wehe, man hat einen Bier- oder gar Spirituosenkunden.

werbenundverlaufen - 20. Apr, 14:32

Tabak-, Kosmetik-, Schokoriegelkunden gar...

Vegane Werber würden auch Bifi vespern, wenn man ihnen eine Europalette davon hinstellte.
der_bu - 20. Apr, 15:09

gefährdet sind auch besonders…

… agenturen mit pharma-unit. Selbstmedikamentation mit Produktproben führt häufiger zum unfreiwilligen Selbstmord als man gemeinhin annimmt.

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